Mobiles Kaffeegefährt: Bremer Straßencafé

Bei Sonnenschein gemütlich einen Espresso schlürfen, bei Schietwedder unter Pavillons dem prasselnden Regen lauschen, oder schnell einen Kaffee auf die Hand schnappen, der Mann mit dem Hut ist auf jede Wetterlage oder auch auf Zeitdruck eingestellt.

Ein kleines Café auf den Bremer Straßen.

So kurz und knapp beschreibt Thorsten Imbusch sein Café auf drei Rädern.

Die mobile Bohne

Nur zu gerne sitze ich am Bremer Straßencafé bei einem schaumigen Muntermacher, um dem Markttreiben zuzusehen und den Geschehnissen zu lauschen. Ein perfekter Start in den Tag!

Das Sortiment geht ganz klar über das einer normalen, mobilen Kaffeebar hinaus.
Hier ist nicht nur Espresso und Cappuccino angesagt, die Auswahl reicht von Chai Latte und Sirup Sorten zum Aufmöbeln des Milchkaffees, bis hin zu Iced Latte an besonders heißen Tagen. Da muss sogar noch eine kleine Eismaschine neben Spülmaschine, Handwaschbecken, Kühlschrank und der treuen Wega Siebträgermaschine Platz finden.

Ein besonderes Highlight sind die Motive, die er auf die leckeren Milchschaumgetränke zaubert.

Vom Schlips und Kragen zur Schiebermütze

Anzugtragend und seriös als Betriebsleiter eines ansässigen Hotels Personal und Abläufe koordinieren, gehörten Jahre zuvor zu seinem Arbeitsalltag.
Dann wurde der Wunsch, sich Selbstständig zu machen immer größer.

Irgendwas mit Kaffee, das war klar!
Sein umfangreiches Wissen rund um die braune Bohne sollte sich bezahlt machen.

Mitte 2014 begann er, den kleinen, ehemaligen Wurstwagen eines Gutshofbesitzers in einen Kaffeewagen zu verwandeln. Alles eigene Handarbeit versteht sich!
Was davor erfolgreich mit Würstchen klappte, dürfte doch auch mit Kaffee funktionieren.

Anfangs musste er das gute Teil auf dem Bürgersteig umbauen, da es zunächst schwierig war eine geeignete Garage zu finden. Schön daran war, dass Bewohner neugierig wurden und man fast täglich dabei zuschauen konnte, wie die Idee in seinem Kopf zu etwas Realem und Greifbaren wurde.

Er startete im Herbst 2014 in Walle und wechselte zum Delmemarkt in die Neustadt.
Später fuhr er auch die Universität an und mittlerweile ist auch der Blumenmarkt in der Innenstadt und der Ziegenmarkt im Viertel auf seiner Route.

Die kleinen Geschichten am Delmemarkt

Gefühlt 90% der Gäste in der Neustadt gehören zur Stammkundschaft, fast jeden kennt er mit Namen, da wird auch schon mal regelmäßig das Fahrrad von einer treuen Cappuccino Trinkerin versteckt. Mittlerweile schließt sie ihren Drahtesel wohl immer ab.

Während ich gespannt seinem beruflichen Werdegang lausche, nimmt ein junger Mann mit Mütze Blickkontakt mit Thorsten auf und gibt seine Bestellung lediglich durch die Anzahl der gewünschten Getränke auf. Natürlich weiß er direkt was zu tun ist und reicht dem Sohn des Gemüsehändlers drei Kaffee.

Das Neustädter Urgestein Guenni sitzt mit seinem treuen Wegbegleiter Bobby, einem verschmusten Boxer, bereits auf einem der Bänke und ärgert den Straßencafé Besitzer, während seiner kleinen Verschnaufpause. Was man denn tun müsse, um hier mal einen Kaffee zu bekommen, ruft er ihm mit einem Augenzwinkern zu.

Während er gerade dabei ist Guennis Kaffeedurst zu stillen, kommt eine kleine Familie dazu.
Die beiden Kinder freuen sich bereits auf ihren wohlbekannten Babycino, eine kleine Tasse mit luftigem Milchschaum und Schokopulver, die es hier natürlich gratis gibt. Familienfreundlichkeit ist hier eine Selbstverständlichkeit. Die Kiddis werden natürlich zuerst bedient und amüsieren sich über Opis Schweinchen auf dem Cappuccino.

Der leckere Koffeinschub zum Vorlesungsbeginn

Nachdem alles gut vorbereitet ist, eine extra Portion Pappbecher und Tassen mehr als sonst aufgebaut ist, schaut hier und da mal jemand vorbei, um einen laktosefreien Haselnuss Latte zu schnappen oder genüsslich einen Espresso zu schlürfen.

Der Start in den Tag am Bremer Campus jeden Dienstag und Donnerstag ist eher ruhig und entspannt.

Doch dann wird es zum Mittag hin immer voller. Dozenten und Stundenten reihen sich in die lange Schlange ein, um einen leckeren Wachmacher zu ergattern.

Die Tische sind alle belegt und die Gesprächsthemen reichen von der durchzechten Partynacht am Wochenende, bishin zum nächsten Seminarstoff. Manch einer sitzt alleine mit Zigarette und Käffchen auf der Bank, andere tummeln sich mit mehreren um die Stehtische.

Ich selbst komme mit ein paar Studenten ins Gespräch, die regelmäßig ihren Kaffee hier holen und das Straßencafé als kleine Ruhepause zwischen den Vorlesungen nutzen.

Das bunte Unitreiben nimmt seinen Lauf und die nächsten 1-2 Stunden dominieren Milchaufschäum- und Kaffemahlgeräusche, während Thorsten die durstigen Gäste mit Espressogetränken versorgt.

Einmal quer durch Bremen, bitte

Das Schöne an einem Café auf Rädern ist durchaus die Mobilität, die es mit sich bringt.

Seit ein paar Wochen neu auf dem Fahrplan:
Montags der Blumenmarkt in der Innenstadt und freitags der Ziegenmarkt im Viertel.

So lässt sich schnell der Bekanntheitsgrad erweitern und sorgt jetzt schon für weitere Stammgäste. Wer weiß, ob nicht irgendwann mal ein festes Café folgt.

Ihr könnt also davon ausgehen, dass noch viele weitere Kleine oder auch Größere Veränderungen bevor stehen. Ich konnte zunächst ein paar Umbaupläne und Optimierungen in Erfahrungen bringen und den damit verbundenen Ausbau seines Sortiments. An Ideenreichtum mangelt es ihm jedenfalls nicht!

Er selbst sagt, dass er den geilsten Job der Welt hat und wirkt mit dem was er tut, ausgeglichen und zufrieden. Genau das ist es, was man in seinen liebevoll hergezauberten Getränken schmeckt.

Mein erster guter Cappuccino hier in Bremen stammte tatsächlich von ihm.
Aber überzeugt euch selbst!

Hier noch einmal seine Route im Überblick:

  • Montag Blumenmarkt in der Altstadt
  • Dienstag Uni Bremen
  • Mittwoch Delmemarkt in der Neustadt
  • Donnerstag Uni Bremen
  • Freitag Ziegenmarkt im Viertel
  • Samstag Delmemarkt in der Neustadt

www.facebook.com/Bremer-Straßencafé

 

 

 

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One comment: On Mobiles Kaffeegefährt: Bremer Straßencafé

  • Das klingt wirklich lecker. Schade, dass es so etwas hier nicht gibt. Ich könnte mir vorstellen, dass es schwierig ist, die erforderlichen Genehmigungen zu erhalten.
    Spontan fällt mir die TÜV Abnahme ein, Strassenhändlerlizenz, evtl. Ordnungsauflagen der Gesundheitsbehörde…Sorry, da kommt die Beamtin durch.
    Aber wirklich sehr interessant geschrieben.

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