Rösterei im Hafen: Cross Coffee

Eine kleine Rösterei mit Sinn für Nachhaltigkeit im Hafengebiet meiner neuen Wahlheimat!

Da muss ich hin! Also habe ich fix einen Termin zum Kaffeeklatsch mit Informationsaustausch gemacht, um meinen Wissensdurst zu stillen.

Aromatischer Empfang

Welch herrlicher Duft durch meine Nase strömt, als ich die kleine Lagerhalle betrete. Zwei Reihen Europaletten türmen sich akkurat zu einem großen Tisch, der sich im vorderen Bereich befindet und so zu einem netten Plausch einlädt.

Selbstverständlich bietet mir Oliver Kriegsch, der hauseigene Röster, direkt ein aromatisch duftendes Heißgetränk an, worauf ich natürlich gehofft hatte. Noch mehr freut es mich, dass er unter anderem einen Kaffee im Angebot hat, der auch noch aus meinem Lieblingsanbaugebiet stammt, aus Guatemala.

Umringt von Kaffeemühlen, offenen Kaffeepaketen jeglicher Art und verschiedenen kleinen und großen Zubereitungsmaschinchen kommen wir schnell ins Gespräch.

Aus etwas Kleinem wird was Großes

2012 fing er an mit einem eigenen kleinen Röstapperat für den Haushaltsgebrauch Rohkaffee selbst zu rösten, so wurde rasch aus einer kleinen, passionierten Spielerei eine Leidenschaft und die Idee, eine eigene kleine Rösterei aufmachen zu wollen.

Aus der heimischen Küche verbannt, konnte er zunächst in einem kleinen Lagerraum eines Freundes weiter experimentieren. Dort musste er immer öfter, aufgrund der Geruchsentwicklung, auf einen Hof ausweichen, bekam dort Ärger mit dem Zollamt und suchte sich dann eine neue Bleibe für sich und seinen Röster.

Die 12qm Fläche des neuen Standorts, in dem Hermann Faber von 1956 bis 1966 bereits ein Röstkaffeewerk betrieb, erwies sich schnell als viel zu klein und so landete er schlussendlich hier im stadtbremischen Hafengebiet.

Die kleine Lagerhalle mit Charme

In dem hinteren Bereich der Rösterei findet sich dann genau das, was ich gehofft hatte zu erspähen.

Säcke voll mit Rohkaffee stapeln sich mitten im Raum zu einem bequem aussehenden Haufen zusammen. Sie laden mich ja praktisch zu einem Probeliegen ein, ich reiß mich jedoch ausnahmsweise mal zusammen. Die bereits gerösteten und verpackten Kaffees reihen sich fein sortiert nebeneinander in den Regalen ein.

Die anderen kleinen Helfer befinden sich direkt einsatzbereit davor.
Um die korrekt einzuhaltenden Daten auf die Verpackung zu bringen, liegen Stempel, Aufkleber und Schreibmaterialien griffbereit neben der Abfüllanlage.

Der in die Jahre gekommene, aber gut in Schuss gehaltene Mahlkönig, thront seitlich auf dem Arbeitstisch und wartet darauf die Bohnen zum Aufgießen vorzubereiten.

Mein verträumter Blick wendet sich dem Größeren der
beiden Röstern zu. 15 Kg schafft das gute Stück! Ein Kaffeesack wiegt 69 Kg.

Der reine Röstvorgang liegt zwischen 12 und 15 Minuten, dazu noch die Vor- und Nachbereitungszeit, das Proberösten, abwiegen, verpacken…
Inklusive Kaffeepäuschen…

Da wird einem erst einmal bewusst wieviel Arbeit dahinter steckt!

Jetzt geht’s ans Eingemachte

Oliver hat alles vorbereitet, um eine Proberöstung einer frisch eingetrudelten Kaffeesorte durchzuführen. Dafür wird natürlich das kleinere Schätzchen angeschmissen, schafft immerhin 1Kg. Und ich darf mit dabei sein!

Nach einer 20-minütigen Aufwärmphase geht die Reise der kleinen, kenianischen, grünen Bohnen los. Ich bin gespannt wie aus ihr das fein duftende Körnchen wird.

Alle 30 Sekunden werden die Temperaturwerte fein säuberlich in eine Tabelle eingetragen, um den genauen Verlauf der Röstkurve zu dokumentieren. Je nach Frische, Größe und Beschaffenheit findet ja schließlich eine andere Reaktion auf die Hitze statt.

Nachdem in der ersten Röstphase die Feuchtigkeit verloren geht, entsteht der erste Farbumschlag. Recht schnell nehmen die Bohnen eine leichte bräune an und es breitet sich ein teigartiger Geruch in der Luft aus. Erinnert ein wenig an eine Bäckerei.

Der Timer zeigt genau 9:47 als das Knistern im Inneren des Rösters losgeht. Das entzückende Geräusch zaubert einen zunächst süßlichen Duft, der immer holziger wird.

Das Knistern wird als first Crack bezeichnet, die komplette Feuchtigkeit ist nun aus der Bohne entwichen und gewinnt deutlich an Volumen. Da sich nun die Aromen rasant entwickeln, entnimmt Oliver einige Proben, um so später feststellen zu können, wann der genaue und perfekte Moment ist, den Röstvorgang zu stoppen.

12 Stunden brauchen die Bohnen, um sich vom Bräunungsprozess zu erholen, dann sind sie vollständig abgekühlt und haben ihr Potential komplett entfaltet.

Bohnen in einen Röster kippen, um sie zu bräunen, wird wohl jeder hinkriegen. Kommt dazu jedoch ein gewisses Feingefühl und Liebe zum Kaffee, dann wird das auch was mit dem schönen Ergebnis!

Die Rösterei zum Anfassen

Jeden Freitag von 16:00 – 18:00 Uhr sind die Pforten für Jedermann geöffnet.
Ein Besuch lohnt sich immer!

Man trifft auf andere Kaffeeliebhaber und bekommt einen genauen Einblick in die Rösterei.

Wer zeitlich oder geografisch keine Gelegenheit findet, der kann über den Quick Shop im Internet seinen Wachmacher bestellen oder in verschiedenen Verkaufsstellen in Bremen und Oldenburg den direkten Zugriff finden.

Mir gibt es ein gutes Gefühl, zu wissen, wo mein heißgeliebtes Morgenkäffchen herkommt und wie es genau weiterverarbeitet wird. Dazu kommt, dass nur direkt gehandelte Kaffeebohnen verwendet werden, was natürlich die Bauern vor Ort am meisten unterstützt.

Wer also mit gutem Gewissen in einen mit Leidenschaft gerösteten Kaffee investieren will, entscheidet sich für Cross Coffee!

Cross Coffee Rösterei
Use Akschen 91
28237 Bremen
www.crosscoffee.de

 

 

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2 comments: On Rösterei im Hafen: Cross Coffee

  • Spannende Lektüre. Zu spannend, um sie vor dem Schlafengehen zu lesen.
    Ich werd’s jetzt trotzdem versuchen und freue mich auf den ersten Kaffee morgenfrüh.

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