Kreatives Drucken im Viertel: Steintor Presse

Spontan verschlägt es mich, auf der Suche nach einer kleinen Visitenkartenidee, in die Steintorpresse im bunten Viertel. Ein großer, bärtiger Mann mit Brille und warmherzigen Lächeln kommt auf mich zu und ich erzähle ihm von meinem Blog und meinem Vorhaben.

Darüber muss ich einfach schreiben!

Ich fühle mich direkt wohl in der Druckerei mit diesem kreativen Gleichgesinnten, aus einer völlig anderen Branche. Seit knapp über einem Jahr befindet sich nun die Druckerei in dem kleinen Hinterhof und trifft mit dem Mix aus neumoderner Mediengestaltung und Druck, nach alter Handwerkskunst, genau den Zahn der Zeit. Schnell steht für mich fest, dass ich meine Eindrücke, die in Peers Druckerei entstehen, teilen möchte.

Ich brauche irgendeinen Kaffeebezug!

Werfe ich ihm, nach meinem Vorschlag über ihn schreiben zu wollen, vor die Füße. Schon legt sich seine Stirn in Denkerfalten, ich kann seine Grübelei von außen folgen. Seine ersten Ideen reichen von Duftstoffen, bis hin zu fein gemahlenen Kaffee, den man in die Druckerfarbe geben könnte. Dabei hält er mir eine Papierauswahl vors Gesicht und beschreibt mit deutlicher Gestik, wie man dann die Farbe auf die Karte bringen könnte.

Nach einer Woche tauschen wir die Ergebnisse seiner Versuche aus. Zum Leidwesen seiner Kollegen versuchte er mit verschiedensten, natürlichen Kaffeearomen einen angenehmen Duft auf mehrere Papiersorten zu zaubern. Auch das Dazu mischen war leider ohne positives Ergebnis.

Eine Druckerei zum Wohlfühlen

In dem einladenden Vorraum der Druckerei, in dem man freundlich von Druckerehefrau Heide begrüßt wird, die übrigens auch Schriftsetzerin ist, gibt es bereits allerlei Kleinigkeiten zu bestaunen. Für mich ein kleines Paradies zum Durchstöbern. Notizbücher, Postkarten, Klebezettelchen, sogar bedruckte Beistelltische. Die kreative Auswahl lässt bereits durchleuchten, mit wieviel Ideen hier hantiert wird.

Der zweite Raum beherbergt die alten, manuellen Druckerschätze. Meine Karten werden an einer Druckmaschine, die mithilfe eines Pedals zum Laufen gebracht werden muss, angefertig. Beim Vorgespräch zeigt Peer mir, am original Heidelberger Tiegel, wie er Papiertüten bedruckt. Dieses Maschinchen findet man heutzutage sogar noch in Ländern, die mit wenig Strom auskommen müssen. Ein treuer Klassiker, läuft ein Leben lang, oder auch zwei.

Und dann sind da noch diese vielen tausend Bleilettern, die überall in Kästen, Fächern und Schubladen einsortiert sind und auf ihren Einsatz warten. Das falsche Einsortieren der Lettern nennt sich übrigens verfischen, wie mir Peer beim Durchkramen der einzelnen Buchstaben verrät. Ein ganzes Regal wird von verschiedenen Papiersorten in sämtlichen Farben und Blattstärken beherbergt, die Farbeimer und Tiegelchen fühlen sich daneben mindestens genauso wohl, wie ich, auf diesem kreativen Spielplatz.

Dann mal ran, an die Druckwalze

Nach den misslungenen Versuchen, meine Karten mit Duft zu versetzen, hat sich Peer natürlich rasch etwas Anderes einfallen lassen. Mein Bremerbohne-Logo darf sich auf Ägyptische Baumwolle betten und wird mit Kaffeeflecken und Klecksen verziert, die ich selbst drauf kleckern darf. Perfekt! Nicht nur beim manuellen Präge- und Druckvorgang zuschauen, sondern auch noch ordentlich mit meinem Lieblingsgetränk rumschlabbern.

Die knapp 300 Karten sind rasch fertig gestellt, schnell entwickeln wir uns zum eingespielten Team und arbeiten Hand in Hand. Peer hat dabei mindestens genauso viel Spaß, wie ich. Das hochwertige Papier wird dabei zunächst von mir mit Kaffee dekoriert und anschließend von meinem bärtigen Kumpan weiterverarbeitet.

Noch vor dem Trocknungsvorgang mache ich mich auf den Weg zur Arbeit. Dabei steigt jetzt schon die Vorfreude in mir, die Kärtchen unter die Leute zu bringen, auch wenn sie zunächst noch in der Druckerei verweilen müssen.

Zufälligerweise treffe ich am darauffolgenden Sonntag Peer, mit seiner Heide, im Viertel. Beide wissen von meinem kurz bevorstehenden Frankfurt-Besuch und sind sich schnell einig, dass ich definitiv meine Karten für diesen kleinen Ausflug brauche. Wie selbstverständlich, laufen wir noch einmal zurück zur Druckerei, um die schicken Druckergebnisse abzuholen. Ich freue mich über die liebenswerte Art der Beiden und lege sie noch am selben Abend wertschätzend in meine Reisetasche.

Ein Satz von Peer, der mir übrigens besonders im Kopf geblieben ist:

Heute wirste nicht älter, heute wirste vintage!

Die Druckerei ist wirklich einen Besuch wert. Auch wenn ihr keinen Druckauftrag habt, schaut euch ruhig mal im Paperyard, dem kleinen Laden der Steintorpresse, um. Ein kleines Geschenk für die Lieben Zuhause oder einfach mal für sich selbst findet sich dort schnell.

Die Öffnungszeiten:
Mo – Fr 09:00 – 17:00 Uhr

Steintor Presse
Vor dem Steintor 34, im Atrium
28203 Bremen

 

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